Cricketwetten in Deutschland: Wettanbieter, Formate und rechtlicher Rahmen

Updated Oktober 2026
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Stand: Oktober 18, 2026 · Geprüft gegen die Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL)

Ein weites grünes Cricketfeld mit einem hellen Streifen in der Mitte, tief stehende Sonne, im Hintergrund eine leere Tribüne.
Den Cricket World Cup 2023 gewann Australien, Gastgeber war Indien; die Ausgabe 2027 wird in Südafrika, Simbabwe und Namibia ausgetragen und auf 14 Teams erweitert.

Cricket ist in Deutschland eine kleine, aber treue Wettdisziplin. Wer hierzulande auf einen World Cup, ein Test-Match oder ein Twenty20-Spiel der Indian Premier League setzen will, landet schnell bei zwei Fragen: Wer nimmt überhaupt Wetten an, und was steht im Wettschein, wenn das Spiel wegen Regens pausiert? Beides hängt an einfachen Regeln – einer Lizenz, einer Quote und einer Methode, die seit 2014 den Namen ihrer drei Statistiker trägt.

Rechtslage in Deutschland: Wann eine Cricketwette erlaubt ist

Eine Sportwette auf Cricket ist in Deutschland nur dann erlaubt, wenn der Anbieter eine deutsche Sportwetten-Erlaubnis der GGL besitzt und die Domain auf der Whitelist steht. Seit dem 1. Juli 2021 regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt; die Aufsicht liegt bei der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder mit Sitz in Halle (Saale). Eine Erlaubnis wird nach § 9a Abs. 1 Nr. 3, § 27f Abs. 1 GlüStV erteilt und gilt für fünf Jahre (§ 4c Abs. 1). Die Whitelist nach § 9 Abs. 8 ist die einzige belastbare Quelle; der Snapshot vom 2. Oktober 2026 listet 30 Einträge – 27 Inhaber einer Sportwetten-Erlaubnis, zwei davon zusätzlich mit Pferdewetten, und drei reine Pferdewetten-Veranstalter. Jede gelistete Domain ist eine .de-Domain, aber eine .de-Domain allein beweist nichts.

Eine kleine Messingwaage steht auf einem Holztisch vor einem Fenster, weiches Tageslicht, daneben ein leeres Notizbuch.
Die GGL warnte am 17. September 2026 ausdrücklich vor der Teilnahme an illegalen Angeboten.

Eine Lizenz aus Malta, Curaçao oder Anjouan hat in Deutschland keine Bedeutung. Die GGL hat am 17. September 2026 Verbraucherinnen und Verbraucher ausdrücklich vor der Teilnahme an illegalen Angeboten gewarnt. Wer bei einem nicht gelisteten Anbieter wettet, spielt ohne OASIS-Sperrdatei, ohne LUGAS-Limitdatei und ohne den deutschen Rechtsweg im Streitfall.

Die Erlaubnis ist personen-, domain- und produktbezogen. Wer auf der Whitelist eine Sportwetten-Erlaubnis für eine Domain besitzt, darf auf genau dieser Domain Sportwetten anbieten – nicht auf einer Schwesterndomain, nicht im Casino-Bereich, nicht im Poker. Slots, Online-Casino und Online-Poker stehen unter eigenen Erlaubnissen. Eine in Malta eingetragene Gesellschaft, die hier eine Sportwetten-Erlaubnis hält, ist trotzdem in Deutschland verkehrsfähig – das gilt für Tipico, bwin, Betway, Interwetten, NEO.bet und die übrigen Inhaber gleichermaßen. Das entscheidende Merkmal ist nicht der Firmensitz, sondern der Eintrag auf der Whitelist.

Was die Spielformate für die Wette bedeuten

Cricket kennt drei klassische Formate, die sich in Dauer, Struktur und Wettangebot spürbar unterscheiden. Ein Test-Match dauert bis zu fünf Tage mit täglich drei Sessions von etwa zwei Stunden, ein Team hat zwei Innings, das Spiel kann unentschieden enden (Draw) oder mit einem Sieg. One-Day Internationals (ODI) spielen 50 Overs pro Innings, Twenty20 (T20) 20 Overs pro Innings bei höchstens 75 Minuten pro Seite. Das hat Folgen für die Wettmärkte: Beim Test-Match stehen Wettlinien über mehrere Sessions und über Tagessiege bereit, beim ODI Märkte auf teamweite Runs und Wickets, beim T20 viele kurze Spezialmärkte auf einzelne Over-Phasen. Genau diese zeitliche Spreizung ist der Grund, warum Cricket bei lizenzierten Anbietern oft nur zur Saison der großen Turniere sichtbar wird.

Ein Cricketschläger aus hellem Holz und ein roter Lederball liegen auf kurzem Rasen, weiches Abendlicht.
Im Cricket stehen sich zwei Mannschaften mit je 11 Spielern gegenüber; ein Spiel hat zwei oder vier Innings, ein Over besteht aus sechs regulären Bällen.

Livewetten auf Cricket – was zulässig ist

Der GlüStV 2021 erlaubt Livewetten nach § 21 Abs. 4 nur während eines laufenden Ereignisses und nur auf das Endergebnis oder auf „das nächste Tor, den nächsten Satz oder eine vergleichbare Komponente“ in Sportarten, in denen solche Ereignisse selten sind. Beim Cricket heißt das: Wetten auf das Endergebnis ja, Wetten auf den nächsten Wicket-Fall oder die nächste Over-Phase nicht zwingend im Programm. Ein Anbieter, dessen deutsches Sportwettprogramm Livewetten auf Cricket listet, filtert das Angebot durch genau diese Regel. Wer Livewetten sucht, sieht im Wettschein nur das, was das Programm des lizenzierten Anbieters hergibt – und das kann je nach Wettbewerb deutlich schmaler ausfallen als bei Fußball oder Tennis.

Was nicht erlaubt ist

Wetten auf überwiegend minderjährige oder amateurhafte Sportlerinnen und Sportler sind ausgeschlossen; in der GGL-Praxis zählt Fußball unterhalb der 3. Liga als amateurhaft. Auch manipulationsanfällige Wetten und Wetten auf Regelverstöße oder deren Sanktionierung sind nach § 21 Abs. 1a unzulässig. Auf sozialpolitische Ereignisse darf nicht gewettet werden. E-Sport wird von der GGL ausdrücklich nicht als Sport anerkannt; lizenzierte E-Sport-Wetten existieren in Deutschland nicht. Zu virtuellen Sportwetten findet sich weder eine statutarische Regelung noch eine GGL-Position.

Spielerschutz: Wer wetten darf und welche Mechanismen eingreifen

Die Teilnahme an Sportwetten ist in Deutschland erst ab 18 Jahren erlaubt (§ 4 Abs. 3 GlüStV 2021). Die Identitätsprüfung ist Pflicht: Ein Konto pro Anbieter mit voller Verifizierung (§ 6a). Vor der Verifizierung darf ein Anbieter für höchstens 72 Stunden spielen lassen, mit einem Einzahlungslimit von 100 € und ohne Auszahlungen.

Das wichtigste Instrument für das eigene Budget ist das monatliche Einzahlungslimit nach § 6c Abs. 1: 1.000 € pro Kalendermonat, übergreifend über alle Anbieter hinweg, technisch erzwungen über die LUGAS-Limitdatei. Eine Erhöhung auf bis zu 10.000 € pro Monat ist nur mit nachweisbarer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit möglich, eine Erhöhung auf 10.000–30.000 € ist auf höchstens ein Prozent der aktiven Kundinnen und Kunden eines Anbieters beschränkt. Eine Selbstauskunft reicht nicht. Senkungen greifen sofort, Erhöhungen erst nach sieben Tagen.

Spielende können sich selbst aussperren lassen. Die bundesweite Sperrdatei OASIS (§§ 8, 8a) wird bei Registrierung und Login abgefragt. Eine Selbstsperre dauert mindestens drei Monate, wenn die Person eine Frist nennt, sonst mindestens ein Jahr. Der Panikbutton (§ 6i Abs. 3) löst eine sofortige 24-Stunden-Sperre aus. Paralleles Spielen bei mehreren Anbietern gleichzeitig ist nach § 6h untersagt; auch das kontrolliert die LUGAS-Aktivitätsdatei. Offshore-Anbieter sind an OASIS und LUGAS nicht angeschlossen – wer dort spielt, fällt durch sämtliche Schutznetze.

Zahlungen sind nach § 6b Abs. 4 nur von einem Konto im eigenen Namen bei einem Geldwäschegesetz-pflichtigen Institut zulässig. Anonyme Zahlungsmittel – also auch Kryptowährungen und anonyme Prepaid-Lösungen – sind ausgeschlossen. Welche konkreten Zahlungsmarken ein Wettanbieter akzeptiert, regelt das jeweilige Anbieter-Angebot. Spielergelder liegen auf einem insolvenzgeschützten Treuhandkonto; bei Kontoschließung wird das Guthaben innerhalb von fünf Werktagen ohne Gebühren ausgezahlt (§ 6b Abs. 6–7).

Cricket verstehen: Spielregeln, Märkte und die D/L/S-Methode

Zwei Mannschaften mit je elf Spielerinnen und Spielern stehen sich gegenüber; ein Spiel hat zwei oder vier Innings, ein Over besteht aus sechs regulären Bällen. Diese wenigen Zahlen prägen alles, was ein Wettanbieter auf den Bildschirm bringt.

Wetten auf Cricket laufen typischerweise über fünf Achsen:

Die Wettlinie ist beim Test-Match naturgemäß breiter, weil sich das Spiel über fünf Tage streckt; beim T20 ist sie kürzer, dafür hochfrequenter. Welche Linien ein lizenzierter Anbieter tatsächlich anbietet, hängt von dessen Sportwettprogramm ab – die Auswahl ist nirgends garantiert und nirgends über alle Anbieter identisch.

Wetter, Unterbrechungen und die Duckworth-Lewis-Stern-Methode

Wenn der Himmel über dem Oval sich zuzieht, schlägt die Stunde der Statistiker. Die Duckworth-Lewis-Stern-Methode berechnet das Ziel der zweiten schlagenden Mannschaft, wenn ein Limited-Overs-Spiel (ODI oder T20) wetterbedingt unterbrochen wird. Sie wurde 1997 eingeführt, 1999 vom International Cricket Council offiziell übernommen und trägt seit November 2014 den Namenszusatz „Stern“ nach dem Statistiker Steven Stern. Die Methode ist kein Buchmacher-Werkzeug, sondern Teil der Cricket-Regeln.

Die Mindest-Overs-Regel entscheidet darüber, ob ein Spiel überhaupt als Spiel in die Wertung geht: In einem 50-Over-Match müssen beide Teams mindestens 20 Overs absolviert haben, in einem T20 mindestens fünf. Ist diese Schwelle nicht erreicht, wird das Spiel als „No Result“ gewertet. Eine Ausnahme greift nur, wenn ein Team all out ist oder das Ziel bereits erreicht wurde. Genau hier liegt der wettpraktische Hebel: Viele Wettmärkte – etwa „Top-Batsman“ oder „Most Sixes“ – werden bei einem No Result vollständig annulliert und der Einsatz zurückgegeben. Andere, etwa „Match Winner“ mit D/L/S-Ziel, werten das vom Methodenrechner ermittelte Ergebnis. Welcher Markt wie behandelt wird, schreibt jeder Anbieter in seinen Wettregeln – und genau dort muss nachgelesen werden, wenn es ernst wird.

Turniere, die den Wettkalender strukturieren

Der Cricket World Cup der Männer ist alle vier Jahre angesetzt und wird seit 1987 im 50-Over-Format gespielt (zuvor 60). Die erste Austragung war 1975 in England, Rekordsieger ist Australien mit sechs Titeln. Den World Cup 2023 gewann Australien in Indien; das Finale 2019 zwischen England und Neuseeland stand nach 50 Overs 241:241, im Super Over 15:15, und England gewann anhand der Zahl der Boundaries. Die Ausgabe 2027 wird in Südafrika, Simbabwe und Namibia ausgetragen und auf 14 Teams erweitert.

Neben dem World Cup strukturieren Länderspielserien zwischen den großen Test-Nationen (England, Australien, Indien, Pakistan, Südafrika, Neuseeland, West Indies, Sri Lanka, Bangladesch) den Test-Spielplan. Auf der kürzeren Bahn prägen T20-Ligen wie die Indian Premier League (IPL) den Wettkalender; die IPL ist das prominenteste Beispiel einer nationalen Twenty20-Liga mit internationalen Spielerinnen und Spielern. Frauen-Cricket wächst sichtbar, ist aber im Wettangebot vieler Anbieter noch nicht durchgängig abgebildet.

Sportwettensteuer: Was von Quote und Einsatz abgeht

Deutschland erhebt auf Sportwetten die Sportwettensteuer nach §§ 16–25 RennwLottG. Sie beträgt 5,3 % der Bemessungsgrundlage „Einsatz abzüglich der Steuer selbst“ (§§ 17, 18). Rechnerisch entspricht das rund 5,03 % des eingezahlten Betrags (5,3 ÷ 105,3). Die Steuer ist eine Pflicht des Veranstalters, nicht der Spielenden (§ 19); ob und wie sie an die Kundschaft weitergegeben wird, entscheidet jeder Anbieter in seinen Geschäftsbedingungen.

Drei Modelle sind in der Praxis üblich: Der Anbieter zieht die Steuer direkt vom Einsatz ab, der Anbieter zieht sie vom Gewinn ab, oder der Anbieter trägt sie selbst und wirbt damit. Entscheidend für die Wette ist, was im Wettschein steht: Steht die Quote 2,10 mit Einsatz 10 € und wird die Steuer vom Einsatz abgezogen, geht der effektive Einsatz auf 9,47 € zurück. Steht sie hinter dem Gewinn, werden von einem Bruttogewinn von 11 € noch 0,53 € abgezogen. Wer vor dem Klick auf „Wette platzieren“ nicht weiß, welches Modell gilt, schaut in die AGB des Anbieters – und zwar vor der ersten Einzahlung.

Die Steuer greift auch bei unlizenzierten Anbietern. Wer seine Wettsteuer entrichtet, hat damit keine Erlaubnis. Das eine beweist das andere nicht.

Wie eine Quote entsteht – und was sie kostet

Eine Quote ist kein Tipp, sondern ein Preis. Der Quotenschlüssel – die Auszahlungsquote eines Marktes – gibt an, welchen Anteil aller Einsätze ein Buchmacher im Schnitt an die Spielenden zurückgibt: 1 ÷ (1/Quote₁ + … + 1/Quoteₙ) über alle möglichen Ausgänge. Die Marge ist 100 % minus den Quotenschlüssel. Bei einem Zwei-Wege-Markt mit zwei Quoten von 1,90 und 1,90 ergibt sich rechnerisch ein Quotenschlüssel von 95,0 %, also eine Marge von 5,0 %. Bei einem Drei-Wege-Markt (Sieg A / Draw / Sieg B) liegt die Marge höher, weil drei statt zwei Ausgänge addiert werden müssen – auch bei nominell gleich wirkenden Quoten.

Eine niedrigere Marge bedeutet mehr Auszahlung an die Spielenden; eine höhere Marge bedeutet mehr für den Anbieter. Wer Quoten vergleicht, vergleicht deshalb nicht zwei Zahlen, sondern zwei Margen. Genau diese Marge ist es, die jeder Werbespruch von „besten Quoten“ in Prozent ausdrücken müsste, es aber selten tut.

Eine Beispielrechnung: Auszahlung bei einem Zwei-Wege-Markt

Wer 10 € auf eine Quote von 1,90 setzt, erhält im Erfolgsfall 19 € ausgezahlt – 10 € Einsatz plus 9 € Nettogewinn. Wird die Sportwettensteuer vom Einsatz abgezogen, liegt der effektive Einsatz bei rund 9,47 €, und die Auszahlung sinkt entsprechend. Wird die Steuer vom Gewinn abgezogen, bleiben von 19 € Auszahlung etwa 18,47 €. Welche Variante gilt, hängt vom Anbieter und vom Wettschein ab; eine pauschale Aussage „die Quote ist brutto wie notiert“ stimmt nicht für jeden Anbieter.

Margen als Band, nicht als Punkt

In der Praxis schwanken Margen von Markt zu Markt. Eine 1,90/1,90-Linie in einem Zwei-Wege-Markt entspricht 5,0 % Marge; ein Drei-Wege-Markt mit Quoten 3,00/3,40/3,00 liegt rechnerisch bei rund 8 % Marge. Cricket-Wettmärkte sind wegen ihrer Drei-Wege-Struktur (Sieg/Draw/Sieg im Test, Sieg A/Sieg B im Limited Overs ohne Unentschieden) tendenziell margenstärker als die typische Fußball-1X2-Linie. Eine pauschale Aussage „Cricket-Quoten sind margenschwächer als Fußball-Quoten“ lässt sich nicht verallgemeinern – die Marge hängt vom konkreten Markt, vom Anbieter und vom Zeitpunkt der Quotenstellung ab.

Cricket im Wettprogramm: Was die GGL erlaubt und was nicht

Das Sportwettprogramm eines lizenzierten Anbieters ist nicht beliebig. Was angeboten wird, muss von der GGL erlaubt sein (§ 21 Abs. 5 GlüStV 2021). Erlaubt sind Fixed-Odds-Wetten auf das Ergebnis eines Ereignisses oder eines Teils davon sowie auf Ereignisse darin, einzeln oder in Kombination (§ 21 Abs. 1). Ausgeschlossen sind Wetten auf E-Sport – E-Sport ist im Verständnis der GGL kein Sport, lizenzierte E-Sport-Wetten existieren in Deutschland nicht. Auch Wetten auf überwiegend minderjährige oder amateurhafte Sportlerinnen und Sportler sind nicht zulässig; Fußball unterhalb der 3. Liga gilt in der GGL-Praxis als amateurhaft. Für Cricket gilt: First-Class-Cricket, List-A-Cricket und Twenty20-Ligen sind regelmäßig im Programm, solange sie nicht von Amateur-Niveau geprägt sind.

Welche Cricket-Märkte ein Anbieter konkret listet, ist eine Frage des Wettprogramms und ändert sich saisonal. Wer ein bestimmtes Turnier wetten will, prüft das Programm des Anbieters vor der Einzahlung – ein Programm, das im Winter nur World-Cup-Qualifier zeigt, ist im Sommer möglicherweise breiter aufgestellt.

Werbung, Bonus und das, was der GlüStV nicht regelt

Werbung für Sportwetten darf nur von Erlaubnisinhabern gemacht werden (§ 5 Abs. 7). Das Werbeverbot zwischen 06:00 und 21:00 Uhr (§ 5 Abs. 3 Satz 1) gilt für Automatenspiele, Online-Poker und Online-Casino – nicht für Sportwetten. Für Sportwetten gilt: keine Werbung für Wetten auf ein Ereignis unmittelbar vor oder während seiner Live-Übertragung im selben Kanal, keine Werbung mit aktiven Sportlerinnen und Sportlern oder Funktionärinnen und Funktionären, keine Affiliate-Vergütung nach Umsatz, Einzahlung oder Einsatz (§ 5 Abs. 3, 6).

Eine Klausel im GlüStV, die einen Sportwetten-Bonus betragsmäßig begrenzt oder Mindestquoten festlegt, existiert nicht. Beträge, Umsatzfaktoren, Mindestquoten und Fristen stehen ausschließlich in den Bedingungen des jeweiligen Anbieters – sie sind Vertragsrecht, nicht Aufsichtsrecht. Deshalb hilft der Blick in die AGB, nicht in den GlüStV.

Die zehn Anbieter im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt alle zehn Anbieter, die zum Snapshot der GGL-Whitelist vom 2. Oktober 2026 eine deutsche Sportwetten-Erlaubnis besitzen und hier als Cricket-Wettanbieter in den Blick genommen werden. Sortiert nach Erst-Erlaubnis, von der frühesten bis zur jüngsten. Die Spalte zur Erlaubnis nennt die Inhabergesellschaft, wie sie die Whitelist führt, und das Datum der ersten Sportwetten-Erlaubnis nach § 9 Abs. 8 GlüStV. Die Whitelist trägt selbst kein Enddatum; eine Aussage „gültig bis“ lässt sich daraus nicht ableiten.

Anbieter Whitelist-Status und Erlaubnisinhaber Sportwetten-Erlaubnis seit
Sportwetten.de Whitelist – NetX Betting Limited, Birkirkara, Malta 19.11.2020
Tipico Whitelist – Tipico Co. Limited, Malta 09.10.2020
ODDSET Whitelist – Oddset Sportwetten GmbH (Regierungspräsidium Darmstadt, Bescheid 15.12.2022) 18.11.2020
NEO.bet Whitelist – Greenvest Betting Limited, Malta 09.10.2020
bwin Whitelist – bwin (Deutschland) Limited, Gzira, Malta 09.10.2020
Interwetten Whitelist – Interwetten Gaming Limited, Sliema, Malta 02.11.2020
Betway Whitelist – Betway Limited, Malta 09.03.2021
Tiptorro Whitelist – Torro Tec Limited, Malta 30.06.2021
888sport Whitelist – 888 Germany Limited, Gibraltar-Holding 30.06.2021
DAZN Bet Whitelist – DZBT Operations Limited, Zebbug, Malta 22.08.2023

Alle zehn Domains sind .de-Domains; das ist die einzige Gemeinsamkeit, die die Whitelist voraussetzt – jeder Eintrag steht dort mit seiner Domain und seinem Erlaubnisinhaber. Drei Erlaubnisse wurden am 09.10.2020 ausgestellt; die Spanne reicht vom 09.10.2020 bis zum 22.08.2023, also über knapp drei Jahre. Eine Erlaubnis ist kein Qualitätsurteil über das Wettprogramm – sie ist die Aufsichtsbedingung, kein Marketing-Versprechen.

Tipico – der Platzhirsch

Tipico trägt seine Erlaubnis seit dem 09.10.2020, die Folgeerlaubnis datiert auf den 09.12.2022. Die Tipico-App taucht im Apple App Store unter dem Entwickler Tipico B2B Ltd auf; die Store-Beschreibung bewirbt „Tipico Cashout“ zur Kontrolle über den Wettschein sowie Live-Wetten während des Fußballspiels. Welche Cricket-Linien das Programm aktuell führt, ist eine Frage des Sportwettprogramms und nicht der Erlaubnis; konkrete Märkte sind direkt im Wettangebot einzusehen. Wer Cricket bei Tipico wetten will, prüft das Wettprogramm vor der Einzahlung.

ODDSET – die deutsche Ausnahme

ODDSET ist die einzige Marke im Feld, hinter der keine maltesische Gesellschaft steht. Die ODDSET Sportwetten GmbH erhielt ihre Erlaubnis durch Bescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt vom 15.12.2022, zuständige Aufsichtsbehörde ist die GGL in Halle (Saale). Die Erst-Erlaubnis datiert auf den 18.11.2020. ODDSET ist im stationären Vertrieb ebenso zu Hause wie online – ein Profil, das sonst keine der hier gelisteten Marken teilt. Das Cricket-Angebot von ODDSET orientiert sich am Bedarf des Publikums; konkrete Live-Märkte sind direkt im aktuellen Sportwettprogramm einsehbar.

NEO.bet – die Greenvest-Linie

NEO.bet wird auf der Whitelist von der Greenvest Betting Limited gehalten; die Erst-Erlaubnis datiert auf den 09.10.2020, die Folgeerlaubnis auf den 22.12.2022. Über das konkrete Cricket-Angebot, das Wettprogramm oder die Quotenlinie enthält das vorliegende Material keine dokumentierten Angaben.

Tiptorro – die Torro-Linie

Die Tiptorro-App erscheint im App Store unter der Torro Tec Limited mit Sitz in Malta; der Store-Eintrag bezeichnet sie als behördlich zugelassenen Sportwettveranstalter unter Aufsicht der GGL. Die Erst-Erlaubnis datiert auf den 30.06.2021, die Folgeerlaubnis auf den 27.12.2022. Welche Cricket-Linien Tiptorro führt, zeigt ein Blick in das aktuelle Sportwettprogramm.

DAZN Bet – der Neuling

DAZN Bet ist mit der Erst-Erlaubnis vom 22.08.2023 der jüngste Eintrag in der Tabelle. Inhaberin ist die DZBT Operations Limited mit Sitz in Zebbug, Malta. Hinter dem Namen steht die Sportwetten-Marke der Streaming-Plattform DAZN. Der späte Erlaubniszeitpunkt heißt nicht automatisch schmaleres Wettprogramm – er heißt nur, dass DAZN Bet erst seit 2023 in Deutschland am Markt ist.

Sportwetten.de – die NetX-Linie

Sportwetten.de ist über die NetX Betting Limited in Birkirkara, Malta, an die Whitelist angeschlossen. Erst-Erlaubnis: 19.11.2020; Folgeerlaubnis: 16.12.2022. Die Marke trägt denselben Namen wie die Domain – das ist beim Wort „Sportwetten.de“ keine Verzierung, sondern schlicht die Firma. Welche Cricket-Märkte im Programm stehen, zeigt ein Blick in das aktuelle Sportwettangebot.

888sport – die Börsennotierte

888sport gehört zur 888 Holdings PLC mit Sitz in Gibraltar; die Aktie ist seit September 2005 an der London Stock Exchange notiert. Die deutsche Erlaubnis wird über die 888 Germany Limited gehalten; Erst-Erlaubnis 30.06.2021, Folgeerlaubnis 15.12.2022. Die Tiefe des Cricket-Wettprogramms bei 888sport variiert saisonal; Details zur Marktabdeckung finden sich direkt im Sportwettprogramm des Anbieters.

Betway – Cash Out und Konfigurator

Die Betway-App bietet einen Cash-Out, der unter „Meine Wetten“ durch ein grünes Symbol gekennzeichnet ist; ausgezahlt werden kann der gesamte Betrag oder ein Teil davon. Zusätzlich gibt es einen Wettkonfigurator für Fußballspiele sowie einen Konfigurator+, der Auswahlen aus verschiedenen Partien kombiniert – beides Fußball-Werkzeuge, nicht Cricket-Werkzeuge. Die Erst-Erlaubnis datiert auf den 09.03.2021, die Folgeerlaubnis auf den 23.12.2022. Ob und welche Cricket-Märkte Betway aktuell listet, hängt vom Spielangebot ab; ein prominenter Konfigurator ist kein Indikator für ein spezifisches Cricket-Programm.

bwin – die Malta-Linie

bwin wird über die bwin (Deutschland) Limited mit Sitz in Gzira, Malta, geführt; Erst-Erlaubnis 09.10.2020, Folgeerlaubnis 23.12.2022. Der Umfang des Cricket-Angebots bei bwin richtet sich nach dem aktuellen Turnierkalender; eine Übersicht der Märkte ist im Sportwettprogramm einsehbar.

Interwetten – die Sliema-Linie

Interwetten steht über die Interwetten Gaming Limited mit Sitz in Sliema, Malta, auf der Whitelist; Erst-Erlaubnis 02.11.2020, Folgeerlaubnis 27.12.2022. Welche Cricket-Märkte Interwetten aktuell führt, ist direkt im Sportwettprogramm des Anbieters einsehbar.

Was die Tabelle nicht zeigt

Die Tabelle zeigt Erlaubnis und Erlaubnisdatum – beides stammt aus der Whitelist und ist mit dem Snapshot vom 2. Oktober 2026 verbunden. Sie zeigt nicht das aktuelle Cricket-Wettprogramm, nicht die Quoten, nicht die Margen, nicht die Auszahlungsgeschwindigkeit und nicht den Bonus- oder Werbeumgang eines Anbieters. Diese Punkte muss jede Spielerin und jeder Spieler im Wettprogramm und in den AGB des jeweiligen Anbieters selbst prüfen – und zwar vor der Einzahlung. Wer nach der Tabelle eine Wahl trifft, hat die Erlaubnisfrage geklärt; die Programmfrage beginnt erst danach.

Wie es weitergeht: Auszahlung, Reklamation und Streit

Gewinne werden erst nach dem offiziellen Ende des Ereignisses ausgezahlt – das ist im GlüStV 2021 so vorgesehen und gilt für jeden Anbieter gleich. Bei Kontoschließung wird das Guthaben innerhalb von fünf Werktagen ohne Gebühren ausgezahlt (§ 6b Abs. 6–7). Wer eine Auszahlung anfordert, sollte den Zeitraum kennen; „sofort“ ist bei Banklaufzeiten keine Kategorie, die der GlüStV garantiert.

Im Streitfall greift der deutsche Rechtsweg nur, wenn der Anbieter auf der Whitelist steht. Offshore-Anbieter entziehen sich dem deutschen Rechtsraum. Zivilgerichte haben in mehreren Fällen Anbieter ohne deutsche Erlaubnis zur Rückzahlung verlorener Einsätze verurteilt; der Bundesgerichtshof hat die Frage am 25. Juli 2024 (Az. I ZR 90/23) dem EuGH vorgelegt, ob die Dienstleistungsfreiheit einer Nichtigkeit von Sportwettenverträgen entgegensteht – der Kläger fordert von Tipico mehr als 3.700 € Verluste aus den Jahren 2013 bis 2018 zurück. Der EuGH-Generalanwalt Nicholas Emiliou hat in seinen Schlussanträgen vom 19. März 2026 (Rechtssache C-530/24) grundsätzlich für möglich gehalten, unlizenzierte Anbieter zur Rückzahlung verlorener Einsätze zu verpflichten – mit Ausnahme von Fällen, in denen Behörden zugesichert haben, die Lizenzpflicht vorerst nicht durchzusetzen. Eine Garantie ist das nicht; es ist eine offene Rechtsfrage.

Häufige Fragen

Bei jedem Anbieter, dessen Domain auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder mit einer Sportwetten-Erlaubnis steht. Eine .de-Domain allein reicht nicht; die Whitelist nach § 9 Abs. 8 GlüStV 2021 ist die einzige verlässliche Quelle. Die Anbieterliste in diesem Beitrag listet zehn solcher Anbieter mit Stand 2. Oktober 2026.

Was unterscheidet Test-Match, ODI und Twenty20 für Wettmärkte?

Das Test-Match läuft über bis zu fünf Tage mit zwei Innings pro Team, das ODI über 50 Overs pro Innings, das Twenty20 über 20 Overs pro Innings. Daraus folgen unterschiedlich lange Wettfenster, unterschiedliche Märkte und unterschiedlich viele mögliche Spielverläufe. Livewetten sind beim Test eher auf Session-Ergebnisse ausgerichtet, beim T20 auf Phasen innerhalb eines Overs.

Wie wirkt die Duckworth-Lewis-Stern-Methode auf eine Wette?

Sie berechnet das Ziel der zweiten schlagenden Mannschaft, wenn ein Limited-Overs-Spiel wetterbedingt unterbrochen wird. Wird die Mindest-Overs-Schwelle nicht erreicht (20 im ODI, 5 im T20), gilt das Spiel als „No Result“ und viele Wetten werden storniert. Welche Märkte genau storniert werden, regelt der Anbieter in seinen Wettregeln.

Welche Livewetten auf Cricket sind in Deutschland zulässig?

Nur Wetten auf das Endergebnis oder auf vergleichbar seltene Komponenten innerhalb eines laufenden Cricket-Spiels. Wetten auf die nächste Over-Phase oder den nächsten Wicket-Fall fallen unter die Restriktion des § 21 Abs. 4 GlüStV 2021 und sind nicht durchgängig im Programm lizenzierter Anbieter.

Wie entsteht eine Cricket-Prognose – und warum ist kein Tipp sicher?

Eine Prognose kombiniert Teamform, Wetter, Platzverhältnisse, Spieler-Verfügbarkeit und Historie. Sie ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage, kein Ergebnis. Auch eine fundierte Prognose kann nicht vorhersagen, dass ein Wetterumschwung das Spiel unterbricht oder ein Schlagmann einen seltenen Wurf trifft. Deshalb gibt es keine sicheren Tipps.

Wie berechnet sich die Auszahlung, und was ändert die Sportwettensteuer?

Bei einem Einsatz von 10 € und einer Quote von 1,90 ergibt sich eine Auszahlung von 19 € (Einsatz plus Gewinn). Die Sportwettensteuer von 5,3 % wird vom Veranstalter getragen, kann aber vom Einsatz oder vom Gewinn abgezogen werden – das regelt jeder Anbieter in seinen Bedingungen. „5,3 % vom Einsatz“ oder „5,3 % vom Gewinn“ sind zwei verschiedene Effekte mit verschiedenen Auszahlungsbeträgen.

Inhalt erstellt vom Team «buchmacherbonus»